Am Donnerstag wurde die Demo anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen durchgeführt. Auf einem Info-Blatt wurde über die momentane Lage der Frauen im Iran informiert. Aber die Parolen, die bei dieser Veranstaltung zu hören und zu sehen waren, hatten praktisch nichts mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen“ zu tun.
Darüber habe ich mir Gedanken gemacht, warum das so abgelaufen ist. Ich kann mir zwei Gründe dafür vorstellen:
Ideologische Gründe, bei denen die Situation der Frauen scheinbar nicht vordergründig wichtig ist.
Eine Uninformiertheit junger Iraner, die über die Fakten „weltweite Gewalt gegen Frauen“ nicht wirklich Bescheid wissen.
Zu den ideologischen Gründen möchte ich ins Detail gehen. Eine Ansicht ist, dass während des Kampfes um einen Regimewechsel z.B. die Frauen- und Kinderrechte nicht vordergründig wichtig sind. Dies wird es erst, wenn die Systemänderung durchgeführt ist. An diesem Aktionstag traten Leute auf mit Parolen „Nieder mit dem System!“, „Tod dem System!“, frauenspezifische Parolen waren nicht zu vernehmen.
Ideologische geprägte Ansichten werden an Menschenrechtstagen und Frauentagen instrumentalisiert für eigene politische Zwecke und dadurch missbraucht.
Die junge Grüne Bewegung muss beachten, dass alle Subbewegungen zusammenarbeiten müssen, um demokratische Verhaltensweisen einzuüben und wir Männer müssen von iranischen Frauen im Iran wie auch hier in Österreich lernen, wie man mit Geduld und in kleinen Schritten vorankommt. Die Arbeit iranischer Frauenaktivistinnen hat uns Männern gezeigt, wie man als NGO im praktischen Leben, wo jeden Tag Repressionen drohen, arbeiten kann. Diese Erfahrung kann uns nicht egal sein. Ich habe in diesen 6 Monaten viel von den Frauen gelernt und ich bin stolz auf unsere Frauen!
Im untenstehenden Text sind alle Infos darüber, was Frauen weltweit jeden Tag zustößt.
Am 25.11. 1960 wurden die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik als Oppositionelle gegen den Diktator Trujillo ermordet.
49 Jahre später werden in der Islamischen Republik Iran protestierende Frauen auf der Straße mit Schlagstöcken geprügelt und verletzt, verhaftet, im Gefängnis vergewaltigt und ermordet.
Im Iran sind seit Mai 1997 25 Steinigungsurteile vollstreckt worden. 17 davon an Frauen.
• In der Türkei werden jedes Jahr ca. 200 Frauen von ihren Verwandten im Namen der Ehre umgebracht.
• Im Jahr 2002 wurden in Bangladesch 315 Säureangriffe auf Frauen und Mädchen verübt.
• In Pakistan werden jedes Jahr mehr als 1000 Frauen im Namen der Ehre ermordet.
• Etc.
• Häusliche Gewalt ist gemäss einer vom Europarat zitierten Statistik die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren und rangiert vor Krebs oder Verkehrsunfällen.
• Bis zu 70% der weiblichen Mordopfer werden von ihren männlichen Partnern ermordet.
• In Russland wurden 1999 14.000 Frauen von ihren Partnern oder Verwandten umgebracht.
• In der Schweiz gaben ein Fünftel der Frauen zwischen 20 und 60 Jahren an, einmal im Leben Opfer von physischer oder sexueller Gewalt durch ihren Partner geworden zu sein.
„Die weibliche Genitalverstümmelung beinhaltet alle Prozeduren, die die teilweise oder vollständige Entfernung der externen weiblichen Genitalien beinhalten oder die Verletzung der weiblichen Genitalorgane aus kulturellen und anderen nicht-therapeutischen Gründen.“
(Definition der WHO, UNICEF, UNFPA, 1997)
Betroffen sind:
• 130 Millionen Mädchen und Frauen weltweit
• 6.000 Mädchen und Frauen / Tag
• Ca. 6.000 der über 10.500 afrikanischen Immigrantinnen in der Schweiz
Häufige Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung sind:
• Tod durch Blutverlust
• Verletzung benachbarter Organe
• Infektionen
• Erhöhtes Risiko der Unfruchtbarkeit
• Abszesse und Zysten
• Chronische Harnwegsstörungen
•
Frauenhandel ist ein weltweites Geschäft und so lukrativ wie Drogenhandel; nur viel weniger riskant.
Die Schlepperbanden machen allein in Europa jährlich etwa 7 Milliarden Dollar Gewinn mit sexueller Ausbeutung und sklavenähnlicher Behandlung der Frauen.
• Schätzungsweise 4 Millionen Frauen und Mädchen werden weltweit zum Zweck der Heirat, der Prostitution oder der Sklaverei ver- bzw. gekauft.
• Jedes Jahr werden ungefähr 2 Millionen Mädchen zwischen 5 und 15 Jahren zur Prostitution gezwungen.
• Vorsichtige Schätzungen für die Schweiz gehen von jährlich 1.500 bis 3.000 Opfern von Frauenhandel aus.
• Diesen Zahlen stehen gegenüber:
Instabilität und bewaffnete Konflikte führen zu einem Anstieg jedweder Form von Gewalt - von sexueller Gewalt über Vergewaltigungen bis hin zu Völkermord. In Konfliktsituationen wird Gewalt gegen Frauen oftmals als Kriegswaffe eingesetzt, um Frauen zu erniedrigen und die Gemeinschaft, der sie angehören, zu terrorisieren.
• In Bosnien wurden 1992 während der ersten fünf Monate des Krieges 20.000-50.000 Frauen vergewaltigt.
• In der DR Kongo wurden zwischen Oktober 2002 und Februar 2003 ungefähr 5.000 Frauen vergewaltigt, im Durchschnitt 40/Tag.
• In Ruanda wurden während des Völkermordes von 1994 ungefähr eine halbe Million Frauen vergewaltigt.
•
Die gesundheitlichen Konsequenzen dieser sexuellen Gewalt waren riesig: Viele Frauen sind aufgrund der Vergewaltigungen gestorben, und eine unbekannte Zahl hat sich mit HIV/Aids angesteckt.
Viele Frauen sind Opfer von Gewaltanwendungen, gerade WEIL sie Frauen sind, und gewisse Gewaltanwendungen betreffen nur Frauen, so zum Beispiel:
Selektive Abtreibung weiblicher Föten
Tötung weiblicher Säuglinge
Bevorzugung von Söhnen und diskriminierender Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Bildung, Zwangsheirat, weibliche Genitalverstümmelung, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung ,Zwangsprostitution, Mädchen- und Frauenhandel, Ehrenmorde, häusliche Gewalt, Gewalt und Morde im Zusammenhang mit der Mitgift …..
Lasst diesen Text in euch wirken! Wie viel Arbeit ist hier zu tun! Man muss sich als Mann schämen!